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Alchemistische Prozesse in der Inneren Alchemie

 

Fachartikel erschienen im Sonderheft des HERMES
von Fredy Hammann

 

Die Alchemisten aus dem Osten und Westen streben seit Jahrhunderten danach, das Geheimnis der Unsterblichkeit zu entdecken. Von Beginn an waren die daoistischen Alchemisten gefangen von der Vorstellung, dass es eine Unsterblichkeit des Lebens und eine Form der Existenz nach dem Tode gebe. Daher erforschten sie verschiedene Wege, um wünschenswerte Ziele, wie Gesundheit und langes Leben zu erhalten.

 

 Landkarte des inneren Leuchtens


Neben der äußeren Alchemie (wei dan), in der u.a. die “Pille der Unsterblichkeit“, Zaubertränke, Kristalle, Edelsteine, sowie Essenzen aus Kristallen und Blüten verwendet wurden, richteten die daoistischen Adepten ihren Blick nach innen, um den  Geheimnissen der Lebenskraft (Qi) auf die Spur zu kommen. Vergleichen wir das Leben mit einer Öllampe, so hatten die Vertreter der äußeren Alchemie vor allem das Ziel die Substanz, das Öl, lange zu erhalten, damit die Lampe möglichst ewig weiter brennt. Die Alchemisten des Inneren (nei dan) strebten dagegen an, dass das Licht noch hell leuchtet, nachdem das Öl, die Substanz, bereits verbraucht war. Um zu dieser Form der Unsterblichkeit zu gelangen, durchlief der Alchemist des Inneren, einen langwierigen Prozess der Verfeinerung. Die unreinen Aspekte aus Körper, Geist und Seele mussten kontrolliert und in reinere Formen transformiert werden. Grundsätzlich  werden in der Inneren Alchemie folgende drei Stufen durchlaufen:

1.    Die Essenz (Jing) wird in Qi transformiert
2.    Das Qi wird zu Shen (Geist) transformiert
3.    Der Shen wird in die Leere transformiert

Im Mittelpunkt stand zunächst die Bewahrung und Mehrung der Lebensenergie Qi, deren Transformation zu Shen und in die Leere des Dao. Die Entwicklung  besonderer Techniken (Atemtechniken, Qi Gong, Tai Chi) ermöglichten die Aufnahme von frischem Qi  aus den unterschiedlichsten Quellen der Natur und die Harmonisierung der Yin- und Yang Kräfte. Die verschiedenen Qi-Qualitäten wurden den Elementen Metall, Wasser, Holz, Feuer und Erde zugeordnet. Da die fünf Elemente mit den fünf Hauptorganen des Körpers, also der Lunge, den Nieren, der Leber, dem Herzen und der Milz gleichgesetzt wurden, konnten die Organenergien so gereinigt und harmonisiert werden. Die Veredlung des Qi zu Shen war erst nach Ansammlung von einer ausreichenden Menge an Qi im Körper möglich.Als eine Hauptquelle der Lebenskraft wurde die Sexualessenz angesehen. Die Essenz (Jing) galt als Grundlage für neues jugendliches Leben, als Basis für Kreativität, Vitalität und Bewusstsein. Das Gelingen der Transformation hing daher im Wesentlichen von der Bewahrung, Vermehrung und Transformation der sexuellen Essenz in spirituelle Energie ab. Mann und Frau lernten, die sexuellen Energien zu bewahren, die Energien aus Hoden und Eierstöcken bewusst zu vermehren und über die Wirbelsäule in die Organe, Drüsen und das Gehirn zu leiten. Auf diese Weise wurde ein innerer Verjüngungsprozess eingeleitet, der in einem fortgeschrittenen Stadium zu tiefer meditativer Versenkung führte. So war es möglich, über die Verbindung mit der Natur und dem Kosmos auch zu der bereits von Laozi verkündeten Einheit mit dem Dao zu finden. So konnte ein Zustand vollkommener Freiheit, losgelöst des physischen Seins, erreicht werden, in dem die vereinten Qi- Kräfte zu Shen (Geist) umgeformt und  allmählich in  einen “Unsterblichen geistigen Lichtkörper“ weiter entwickelt wurden. Nach vielen Jahren der Meditation und inneren Praxis und einer angepassten Lebensführung ging aus dem Lichtkörper das “goldene Elixier“ hervor.



 





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