Meditation
 
von Fredy Hammann
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Ich sitze aufrecht, der Rücken ist gerade, ausgerichtet zwischen Himmel (Yang) und Erde(Yin). Meine Hände liegen ineinander gefaltet, die Rechte über der Linken. Meine Zunge berührt leicht mit der Spitze einen besonderen Punkt am Obergaumen, der hinter den Schneidezähnen in der kleinen Kuhle liegt. Meine Augen sind leicht geöffnet und blicken über die Nasenspitze nach unten, zu meiner Mitte. Mein Atem fließt gleichmäßig und wie  von selbst in die Lungen ein und aus. Mein Geist ist ruhig und Gedanken, die aufkommen, lasse ich los und wie der Wind die Wolken davon trägt, so werden auch meine Gedanken davon getragen. Mein Geist wird friedlich und still, die Flut meiner Gedanken kommt zur Ruhe, ich lasse los und erlebe die Leere. Ich sitze einfach nur da, keine Hektik, kein Stress, keine störenden Geräusche nur tiefe Stille, Ruhe und mein eigener Herzschlag. Eine tiefe absichtslose Achtsamkeit und Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt. Die Zeit verlangsamt sich und scheint still zu stehen. Mein Geist wird klar und alle Grenzen und Polaritäten lösen sich auf. Ich schwimme in einem Gefühl der universellen Einheit. Meine Mitte, mein Tan Tien es fühlt sich gut an. Mein Ich, mein Ego löst sich langsam auf, es gibt nichts in der Vergangenheit und Gegenwart zu tun oder zu wollen. Es existiert nur das Hier und Jetzt. Ich fühle mich Eins mit der Schöpfung und der Ur-Natur.
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Ich stehe aufrecht, meine Füße berühren den Boden und alle neun Punkte jedes Fußes (meine fünf Zehen, die beiden Fußballen, die Ferse und meine Fußaußenseite) der Fußsohle haben festen Kontakt mit der Erde. Ich bin fest mit der Erde verbunden und habe Wurzeln, die tief in die Erde reichen. Meine Knie sind leicht gebeugt, meine Beine sind rund wie ein Torbogen. Mein Becken ist leicht nach vorne gekippt und mein Steißbein zeigt in senkrechter Richtung zur Erde. Meine Wirbelsäule ist gerade, ich spüre einen leichten Zug nach unten am Steißbein und einen Zug an meinem Scheitel (Baihui) der mich ganz natürlich aufrichtet. Ich fühle mich in der Polarität Erde (Yin) und Himmel (Yang) eingebettet. Ich bin, ich bin es, der beide Polaritäten in der Mitte zum “Einen“, zum Tai Chi fusioniert. Mein Solarplexus fühlt sich warm an und mein Herz wird weich. Meine Brust sinkt leicht nach innen ein. Meine Halswirbelsäule richtet sich auf, Wirbel für Wirbel, und mein Kopf wird leicht. Ich schiebe den Kopf, etwas nach hinten, am Punkt zwischen der Oberlippe und der Nase. So stehe ich aufrecht, mein Skelett trägt mich ohne Anstrengung. Langsam schwinge und schaukle ich meine Hände und Arme nach oben, immer etwas höher, bis ich auf einer Linie mit meinen Schultern bin. Wie von selbst bewegen sich meine Arme und sie fühlen sich weich, fast wie Watte an. Meine Fingerspitzen krippeln, meine Hände sind warm,  gut durchblutet. Mit dem nächsten Schwung kommen beide Arme nach oben und ich halte sie rund vor meinen Körper, so als wolle ich einen Baum umarmen. Ich fühle mich eins mit dem Baum. Meine Wurzeln sind tief, mein Stamm fest, meine Äste reichen hinaus und ich trage gesunde Früchte. Alles geschieht und ich verharre an meinem Platz. Stehe nur und lasse es geschehen. Ich bin ein Teil der Natur, zusammen sind wir ein Teil der Schöpfung.
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"Wenn unser Geist die Ruhe findet, verschwindet er von selbst."
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                                                               Meister Sengcan (Sosan)
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Zwei Beispiele aus unserer Meditationspraxis, die anschaulich verdeutlichen, dass Meditation nicht nur ein passives Sitzen vor einer Wand bedeutet. In der passiven Meditation sitzt der Praktizierente kontemplativ versunken. In der aktiven Meditation gehören achtsames Handeln und bewusstes, gedankenloses Bewegen dazu. Beide Formen der Meditation können verschiedene Techniken der Visualisierung und der aktiven Aufmerksamkeitslenkung beinhalten. Der Praktizierende lässt los, alles geschieht ohne etwas zu tun und die Gedanken werden zur Nebensache. Zur passiven Meditation zählt zum Beispiel die Stille und Ruhemeditation, die Konzentrationsmeditation bei der wir uns auf eine Sache, wie unseren Atem, konzentrieren. Aber auch das Innere Lächeln, bei der wir durch unsere Körperlinien und Organe lächeln, ist eine eher passive Meditationsform. Eine andere Form ist das immer wiederkehrende sprechen von Mantras. Zur aktiven Meditation zählen Yoga, Tao Yoga, Tai Chi, Kundalini- Meditation, Tanz, meditatives Gehen (Qi- Walking), Musik und Rezitation und bedingungslose "Heilende Liebe".
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Regelmäßige Meditation wirkt beruhigend und wird im Westen vor allem zur Entspannug genutzt. Die Wirkung, der meditative Zustand, ist neurologisch als Veränderung der Hirnwellen messbar. Der Herzschlag wird verlangsamt, die Atmung vertieft, Muskelspannungen reduziert. Bei Hirnwellen-Messungen an Schülern des International Healing Tao wurde eine deutliche Veränderung des Hirnwellenmusters während der Meditation des Inneren Lächelns festgestellt. Das messbare Potential (ULHP) beider Hirnhälften wird erhöht und synchronisiert. Die Hirn-Aktivität verschiebt sich von Alphawellen hin zu Tetawellen, in einen, eher dem Schlaf vergleichbaren, Zustand. Dennoch ist der Praktizierende in der Lage, auf gestellte Fragen bewusst, induitiv aus seinem Tan Tien (Mitte) zu antworten.
Weitere Info und Praxis unter:
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